Schlagwort: Kopfkram

„Drehen wir ’ne Runde?“

Du fragst: „Drehen wir ’ne Runde?“ und wirfst einen Blick auf deinen Mustang. Ich kenne diesen Blick. „Lass uns ein wenig spielen.“ sagt dieser Blick. Es ist kurz vor elf. Ich muss grinsen, weil ich dich für diese Idee schon wieder knutschen möchte.

  • Du hast einen schnellen Wagen. Ich will weg, egal wohin. Vielleicht werden wir uns ja einig. Vielleicht kommen ja wir gemeinsam irgendwo an. Jeder Ort wäre besser. Wieder bei Null anfangen, es gibt schließlich nichts zu verlieren. Vielleicht bringen wir es zu etwas. Aber ich, ich hab mir nichts zu beweisen.

 Die Straßen sind leer. Es ist dunkel und der Fahrtwind macht mich wach. Ich bin doch noch am Leben. Berlin war noch nie so wunderschön. Vorbei an allen Problemen und Diskussionen rasen wir durch die Stadt.

  • Du hast einen schnellen Wagen. Aber ist er auch schnell genug, dass wir allem entkommen? Wir müssen uns entscheiden. Heute Abend abhauen oder wir leben und sterben hier. Ich weiß noch, wie wir gefahren sind, gefahren in deinem Wagen. So schnell, ich dachte, ich wäre betrunken.

Immer wieder schaust du mich von der Seite an. Ich bekomme es kaum mit. Bin fasziniert von all den Lichtern, die vorbei ziehen. Erhasche ich doch einen Blick, lächelst du mich an, nimmst meine Hand. Entführ‘ mich wohin du willst.

  •  Die Lichter der Stadt lagen vor uns. Dein Arm fühlte sich so angenehm an, wie er da auf meiner Schulter lag. Und ich hatte das Gefühl, dazu zu gehören. Das Gefühl, jemand zu sein.

Du hast einen schnellen Wagen und wir fahren durch die Gegend – nur so zum Spaß.

aus: Fast Car – Tracy Chapman 

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Gott, ich vermiss dein Parfum!

„Du hast das Gefühl du existierst gar nicht, bis er dir in die Augen schaut, deine Hand nimmt oder meinetwegen einen Witz auf deine Kosten reißt. Hauptsache allen ist klar, dass du ihm gehörst. Nur ihm allein.“

„Ich möchte es dir an den Kopf werfen, es dir ins Gesicht brüllen, damit du bitte begreifst, dass ich nur dich will. Dich. Und niemanden sonst.“, tippe ich in mein Smartphone. Ich weiß ganz genau, dass du darauf nicht reagieren wirst.

Du bist mein Kratzen auf Vinyl. Mein Spaziergang im Regen. Mein Glas Rosè auf dem Balkon. Mein ganz persönlicher Kurt Cobain. Mein verschlafener Sonntag, nach einer durchgetanzten Nacht. Meine Decke am Morgen, die ich mir „nur noch 5 Minuten“ über den Kopf ziehen will. Meine Wohnungstür, hinter der ich mich so viel sicherer fühle.

Deine Blicke auf meiner Haut, die so weh tun. Ich kann sie nicht ertragen. Von deinen Händen ganz zu schweigen. Deine Hände…

Think positive, baby!

Think positive, baby!

Wir alle verändern uns – mehr oder weniger freiwillig. Doch es sind nicht die äußeren Einflüsse, die uns verändern, sondern viel mehr die inneren Veränderungen, die sich im täglichen Leben äußern. In unseren Auffassungen und Empfindungen ändert sich täglich so viel, dass manch einer dabei kaum hinterher kommt und es so auf kurz oder lang zur Entgleisung kommen muss.

Natürlich verändern wir uns auch äußerlich. Doch hat das DEN Einfluss auf uns als Person? Ich wechsle meine Haarfarbe in Abhängigkeit zur Stellung des Mondes, meinen spontanen weiblichen Stimmungsschwankungen, Gefallen oder aus Lust und Laune. Macht ein lila Kopf deshalb einen anderen Menschen aus mir, als ein blonder?

Ähnlich ist das mit meinem Halbriesen Hagrid. Natürlich hat er sich in den vergangenen Monaten verändert und ich staune jedes Mal, wenn ich ihn länger nicht gesehen habe. Er ist jetzt knappe 10 Monate alt. Er wird immer runder, länger, plüschiger – wie sich das für einen heranwachsenden, halbstarken Kater eben gehört. Doch aus dem kleinen, ewig schlafenden Fellknäuel ist charakterlich viel mehr geworden. Mal ganz davon abgesehen, dass er immer noch an Decken und allem, was einer felligen Mama ähneln könnte, knuddelt und herumsaugt, wird aus ihm langsam ein Katerchen mit eigenem Willen und Meinung. Er weiß, dass ihm 5 Uhr zu früh zum Aufstehen ist, guckt mich mit einem Blick an, etwa wie „Sag mal, bist du eigentlich bescheuert?“, streckt sich und legt sich wieder auf sein Kissen. Dass es doof ist, ins Treppenhaus zu laufen und von Mama am Bein davon abgehalten zu werden, weil man sonst in den Tod stürzt, ist ihm mittlerweile auch bewusst. Zumal das Pummeluff gar nicht mehr durch die Stäbe passt. Da haben Äußerlichkeiten wohl doch ihren Einfluss.

Und jetzt, ich hätte es nie gedacht, muss ich dem Zitat Dostojewskis, meinem absoluten Lieblingsautor, widersprechen. Oh mein Gott! (Vielleicht sollte ich ja doch mal über Thomas Hardy nachdenken – Tess war schließlich klasse.)

Veränderung ist das, was die Leute am meisten fürchten. (Dostojewski)

Veränderungen machen dem einen oder anderen vielleicht anfangs Angst, ich sehe darin jedoch eher die Chance, etwas anders zu machen. Natürlich hängt es davon ab, wie persönlich mich diese Veränderung betrifft und auf welche Bereiche sie Einfluss hat. Im großen und Ganzen sind wir allerdings Pessimisten und erwarten von der Welt und dem Schicksal, wenn es denn so etwas gibt, das absolut Schlimmste. Den Super-Gau von allen zu erwartenden Möglichkeiten. Ich bin da manchmal kein Stück besser. Jeder Mensch will mir etwas, mich am besten noch auf der Straße niederstechen. Krank, aber vielleicht auch ein bisschen menschlich.

Think positive, baby! Vielleicht will er mich ja auch nur freundlich anlächeln und
alle Beteiligten haben einen schönen Tag. 🙂

Buchmesse Leipzig 2016

Buchmesse Leipzig 2016

Endlich war’s soweit – auch ich habe es endlich mal zur Buchmesse nach Leipzig geschafft.
Also ging’s los. Und da gingen die Problemchen auch schon los. Der Zug war so derartig voll, dass kaum jemand noch hinein gepasst hätte. Nun ja, Jammern auf hohem Niveau, denn prompt kam der Schaffner um die Ecke und schickte uns in die 1. Klasse. Ab ging’s mit Upgrade nach Leipzig. Juhu!

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Von irren Cosplayern, über verschiedene Verlage, bis zu einzelnen Autoren – alles dabei. Und hier gleich das erste: ihr seht mit euren rosa Perücken, Schleifen, Kulleraugen, Röcken und Kniestrümpfen vielleicht niedlich aus, spitze Ellenbogen und den Willen auf den schnellsten Weg durch die Hallen besitzt ihr aber allemal!

Bücher hier, Bücher da, Bücher dort. Ich war quasi im Himmel. Vor allem politisch motivierte Bücher, speziell mit Migration zum Thema, waren das Thema dieser Messe. Ein interessantes, aktuelles Thema. Das Thema Hörbücher wird scheinbar nie uninteressant. Ganz im Gegenteil: mehr Präsenz auf der LBM war kaum möglich. Ich persönlich bevorzuge ja die klassische Gedruckte Version. Beim Autofahren kann ich Hörbuch-Fans allerdings gut verstehen.

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In meiner Tasche landeten Bücher von Ferdinand von Schirach, aber auch unbekannteren Autoren, verschiedene Zeitungen und der „Abklatsch“ einer Mao-Bibel, obwohl sie eher Gysi-Bibel lauten sollte. Der Eulenspiegel ist eben auch in dieser Kategorie mehr als kreativ.

Und nächstes Jahr?
Werden sich der 23.-26.März 2017 freigehalten. Allerdings dann am Wochenende. Es war zwar alles gut begehbar, direkt am ersten Tag, die Massen an Schulklassen werden wir nächstes Jahr aber umgehen.

All meine Helden…

…sind auf Drogen oder tot und voller Lügen. (Casper)

„Ich wär‘ gern 20 Jahre früher geboren.“, höre ich mich immer wieder in letzter Zeit sagen. „Die 80er richtig bewusst wahrnehmen.“

„Wir sind zu jung to rock ’n roll.“ (Kraftklub)

Ich bin ’96 geboren. Was ein Jahr…
Braveheart gewinnt den Oscar für den besten Film, der erste Kongokrieg findet statt, Michael Jackson glänzt mit seinem Song „„They don’t care about us“, der G7-Gipfel in Lyon findet statt  und die Olympischen Sommerspiele werden in Atlanta(USA) ausgetragen.

„Wie soll man rebellieren? Egal, wo wir hinkommen, unsere Eltern waren schon eher hier.“ (Kraftklub)

Bevor ich auch nur ansatzweise mitbekommen habe, was Sache ist, war die Jahrtausendwende schon da und ich ganze 4 Jahre alt. Kurt Cobain starb ’94 und ich war noch nicht mal in Planung. Zugegeben: ich wäre als kleiner Drops nicht der größte Cobain-Fan gewesen, weil Winnieh Pooh und Ferkel viel cooler waren, aber für’s Protokoll wäre es schon nett gewesen. Man, was wär ich ein Groupie geworden.

Hit am Tag meiner Geburt ist “ Wanna be“ von den Spice Girls. Für alle, die diesen nervtötenden „ich-mach-mit-meiner-besten-Freundin-so-richtig-einen-drauf“-Song nicht kennen und denen der passende Ohrwurm fürs Wochenende noch fehlt, der hole das hier bitte nach.

Nervtötend?
Trotzdem gute Laune?
Sag ich ja.

So schlecht waren die 90er ja vielleicht doch nicht.

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Die Liebe liegt zwischen den Zeilen. 

“All’ die versteckten Anspielungen drin, kriegt keiner mit…” (Casper)

Einige werden mir jetzt erneut zu wissen geben, dass die Grundstimmung dieses Posts mal wieder mit Anlauf in den Keller sinkt, aber selbst Überspielen hilft heute nicht. Wer denkt, bei dem guten Wetter und all dem Sonnenschein ist jeder Mensch der Welt übertrieben glücklich, der irrt sich gewaltig.

Zum Thema zurück: Anspielungen sind etwas schönes, ein wunderbares Mittel, zwischen den Zeilen ein Gefühl, einen Gedanken oder eine Erinnerung durchblicken zu lassen. Bestimmt ist das Ganze meist für nur wenige oder eine ganz bestimmte Person und ich kann mich bei dem Gedanken eines Schmunzelns nicht verschließen. Diese Art von verstecktem Äußern von Gefühlen ist perfekt für Leute, wie mich. Schüchterne Mädchen mit Bindungsängsten und Panik vor der Reaktion des Anderen. Es ist erträglicher für mich, zu wissen, dass der/die/das Mensch meine Posts eventuell liest und ich die Reaktion nicht mitbekomme, als der Person mit meinem Herzen in der Hand ins Gesicht zu springen und es mitten ins Gesicht zurück geschmissen zu bekommen.

Ich liebe es, mich in Zitaten aus Büchern und Lieder zu verlieren, auf Kleinigkeiten darin zu achten und sie für mich und meine Zwecke zu nutzen. Ganz aktuell wäre da das schöne Zitat aus Tess, meinem Lieblingsbuch von Thomas Hardy :

“Warum sagtest du mir nicht, dass von männlichen Wesen Gefahren drohen? Warum warntest du mich nicht? Die vornehmen Damen wissen, wovor sie sich zu hüten haben, weil sie Romane lesen, die ihnen diese Schliche schildern.”

Doch im Moment finde ich die schönen Dinge in diesen Zitaten nicht mehr. Dabei habe ich mir immer eingeredet, sie wären dazu da, wunderschöne Dinge in kurze Worte zu packen, so, dass jeder und vor allem die angesprochene Person, sofort erkennen, worauf man hinaus will. 

Und trotzdem: 

“Wenn das ein Fehler war, dann mach ich ihn nochmal.”

Reset – einmal auf Anfang bitte 

Reset – einmal auf Anfang bitte 

Gleich vorab: ich liebe Reset-Knöpfe!

Sie wurden für mich erfunden. Nichts verschafft mir mehr Genugtuung, als alles zu verwerfen und nochmal bei Null anzufangen, nur um es dann nochmal besser machen zu können. Jedes Jahr war der schönste Tag im Jahr für mich der erste Schultag. Das Hausaufgabenheft komplett leer, die Chance und der Versuch alles noch einmal besser zu machen. Die neue Sitzordnung. Ich habe es geliebt. Oder alle 3-4 Monate aus einer Laune heraus alles aus dem Zimmer in den Flur schmeißen und sich dann wieder komplett neu umdekorieren, Möbel umstellen und wieder eine Weile damit auskommen. Da spricht mal wieder der Perfektionist in mir, was auf Dauer einfach anstrengend wird.
Genau aus diesem Grund beneide ich Goldfische. Diese kleinen orange-farbenen Winzlinge vergessen einfach alle paar Minuten, was sie gerade gemacht, gedacht, gegessen oder gefühlt haben. Sie fangen einfach immer wieder von vorne an, ohne auch nur einen Gedanken an Vergangenes und ohnehin nicht mehr änderbare Dinge zu verschwenden. Auf längere Zeit ist diese Art Dauer-Amnesie natürlich auch keine Lösung. Unter all diesen vergangenen Ereignissen ist unter Garantie auch die ein oder andere schöne dabei, an die man sich mit Vergnügen erinnert.

Trotz all dieser auch schönen Erinnerungen, stehe ich mir damit im Hinterkopf viel zu oft im Weg. Aus einer Art Schutzreflex will man vergangene Fehltritte natürlich nicht nochmal wiederholen und macht so dicht für auch nur annähernd Ähnliches.

Goldfisch Fred wäre grundsätzlich viel entspannter, gelassener, offener für neue Dinge, als ich es je sein könnte, würde er nur ansatzweise erahnen können, was hinter seinem Fischglas noch so abgeht.