Rezension: Sophia, der Tod und ich (Thees Uhlmann)

Rezension: Sophia, der Tod und ich (Thees Uhlmann)

Thees Uhlmann, 41 Jahre, Sänger und Texter der Band Tomte, Solokünstler, St. Pauli-Fan. Wer den guten Herren von Liedern, wie „Es brennt„, „Das Mädchen von Kasse 2“ und „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ kennt, der hat wie ich nur darauf gewartet, dass er Ernst macht und sein eigenes Buch schreibt. Siehe da, „Sophia, der Tod und ich“ erschien am 08. Oktober 2015 und landete auch augenblicklich in meinen Händen. Die Erwartungen waren hoch, denn ein guter Texter ist Thees Uhlmann ohne Zweifel. 

Erster Satz:

 „Es klingelte an der Tür, und im Treppenhaus roch es nach frisch gebrühtem Kaffee.“

Klappentext:

„Wie kaputt muss man sein, um bei jemandem an der Tür zu klingeln und zu behaupten, man sei der Tod? Was wie ein schlechter Scherz beginnt, ist der Auftakt zu einem hinreißenden, nicht enden wollenden Wortgefecht zwischen dem Tod und dem Erzähler, in dem es um Liebe, Freundschaft und Glauben, um den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg zur Mutter und zu Johnny, dem kleinen Sohn des Erzählers, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. Mit dabei: Sophia, die ruppig-souveräne und weise Exfreundin. Es ist eine Reise zwischen Himmel und Hölle, die geprägt ist von der Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod begeistert durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen aufwirft wie: Muss der Tod eigentlich pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? Und es geht um die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«?
»Sophia, der Tod und ich« ist eine irrsinnig lustige, berührende Suada, druck- und kraftvoll in jeder Zeile. Die ganze Herrlichkeit des Lebens gefeiert in einem Buch.“

Zum Buch:

Alles beginnt mit einem Klingeln an der Tür. Obwohl eigentlich alles gegen das Öffnen spricht und auch so eh niemand an seiner Tür klingelt, öffnet er die Tür und wie selbstverständlich steht ihm der Tod gegenüber. 3 Minuten habe er noch, um mit seinem Leben etwas anzufangen. Als würde das nicht zur völligen Verwirrung genügen, klingelt es genau in dem Moment noch einmal. Dieses mal steht seine Ex-Freundin Sophia vor ihm. In ihrer zickig-sympathischen Art weist sie ihn „dezent“ darauf hin, dass er anscheinend vergessen hatte, dass sie ihn zu einem Besuch zu seiner Mutter begleiten sollte. Diese Absurditäten machen das gesamte Buch aus.

Der Tod ist eine solche Unterbrechung nicht gewohnt, doch neugierig lässt er sich auf die Störung ein und verschiebt das Ableben des Erzählers, um Sophia die Tür zu öffnen. Also machen sich die 3 auf den Weg zu seiner Mutter, machen dabei einige lustige, aber auch tiefgründige Erfahrungen.  Auf dem Weg leben einige Gefühle wieder auf: die Beziehung zu seiner Mutter, seine Gefühle zu Sophia und die Verbindung zu seinem Sohn, den er seit Jahren nicht gesehen hat.

Meine Meinung:

Wer ein Buch mit einem Neil Young Zitat beginnt und mit einem Stephen King Zitat abschließt, katapultiert sich in meiner persönlichen Bestenliste automatisch in die Top 10. Als Thees Uhlmann Fan würde ich mich fast als voreingenommen betiteln, aber das ist mir in diesem Fall egal, denn das Buch zählt seit den ersten 100 Seiten zu einem meiner Lieblinge. Mit so viel Leichtigkeit und dem Geschmack vom Leben geschrieben, war ich sofort gefangen. Gerade der Charakter der Sophia hat mir sehr gefallen. Der ein oder andere wird sich bei ihr wahrscheinlich gedacht haben:“ Was ist das für ’ne arrogante Zicke?“ Genau das dachte ich anfangs auch. Das hat sich aber schnell geändert. Wer mit dem Tod sein Bett teilt oder mit ihm was trinken geht, kann von Grund auf kein schlechter Mensch sein. Genau da taucht der nächste Punkt auf, der mich an „Sophia, der Tod und ich“ fasziniert: Mir werden Fragen, wie „Kann der Tod eigentlich schlafen?“ und „Trinkt er eigentlich,wie jeder andere Mensch Kaffee oder gar Alkohol?“ beantwortet.

Ich lese gerne Bücher, die mich zum Nachdenken bringen. Noch nie musste ich beim Gedanken an den Tod derartig schmunzeln. Ich selbst hatte für mich immer das Motto: Angst vor dem Leben, nicht vor dem Tod. Genau darin fühle ich mich nach dem Lesen bestätigt.

Alles in allem ein grandioses, fast schon zynisches Buch mit einem schwarzen Humor, wie er selten zu finden ist und mir ohne Einwände gefällt. Es gehört zu den wenigen Büchern, die ich nahezu ohne Unterbrechung gelesen habe. Ich wollte abends beim Wegpacken eigentlich schon direkt weiterlesen.

 

Autor: Thees Uhlmann
Titel: Sophia, der Tod und ich
Erscheinungsdatum: 08.Oktober 2015
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
ISBN:  978-3462047936

 

 

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