Vom Scheitern

Jeder, der schon mal nachts zu den letzten Schatten gehört hat, die durch eine eigentlich doch so belebte Studentenstadt huschen, weiß im Prinzip ganz genau, warum man das tut. Entweder man schleppt sich von der Studentenparty oder aus der Kneipe nach Hause oder man braucht einfach einen kühlen Kopf. Da ich in meinem gesamten Studentendasein nicht eine Party besucht habe und auch so nicht der vorbildliche Party-gänger bin, brauchte ich ganz offensichtlich frische Luft. Und zwar viel davon.

Alles auf Anfang, wenn gar nichts mehr geht, dann lauf! (Enno Bunger)

Also los.

Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Turnschuhe geschnürt. Kopfhörer in den Ohren.

Ich lasse die Tür hinter mir ins Schloss fallen und werfe den Schlüssel lieblos in meine Hosentasche. Fast schon zucke ich zusammen. Meine Nachbarn sind nun definitiv wach und hassen mich. Das steht fest. Das gibt gleich den nächsten Spießrutenlauf im Treppenhaus am kommenden Tag. Nachteil am 5. Stock: Man muss an jeder verdammten Wohnungstür vorbei und kann sich dabei gleich in 9 potenzielle Gespräche verwickeln lassen. Wenn man höflich ist natürlich. Ansonsten wird jede zweite Stufe ausgelassen und die 80 Stufen hochgehechtet.

Zurück zum Thema:

Raus aus dem ekelhaft künstlichen Neonlicht des Treppenhauses, stehe ich in der Dunkelheit. Immer wieder wundere ich mich, wie dunkel es sein kann, aber es ist schließlich auch schon halb 3. Ich schlurfe bis zur nächsten Kreuzung, an der ich mich entscheiden muss: Richtung verlassene Innenstadt oder ans Wasser. Ich entscheide mich für die Innenstadt. Wann schon habe ich die Möglichkeit ohne Panik und nervöses Umgucken durch die Stadt zu schlendern? Nie. Eben.

Ich schaue mich um. Greifswald ist wirklich nicht hässlich. Für Studenten meiner Meinung nach genau die richtige Stadt. Aber nicht für mich. Das muss ich mir eingestehen. Etwas anzufangen und dann nicht zum Ende zu bringen ist normalerweise nicht meine Art. Es treibt mich fast in den Wahnsinn, dass ich es auf dem Sofa in meiner Wohnung nicht mehr aushalte. Und wohin bringt mich das nun? Ich stehe 3 Uhr nachts vorm Audimax und gucke in die Nacht. „Scheitern liegt mir nicht.“, schießt es mir da in den Kopf. „Zweifel gehören immer dazu.“, rede ich mir ein. Aber ist es richtig, etwas zu Ende zu machen, von dem man weiß, dass es das verkehrte für jemanden ist? Quälen nur der Form halber? Weil man das eben so macht? Weil es „richtig“ so ist?

Nein. Da mache ich nicht mit.

 

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2 Gedanken zu „Vom Scheitern

  1. Wenn es das Verkehrte ist, fühlt es sich eher wie Zeitverschwendung an als Scheitern … deshalb halte ich es immer für besser, damit aufzuhören und sich stattdessen sinnvolleren Tätigkeiten zuzuwenden! Zeit ist kostbar, sie kommt nicht zurück.

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