Reagieren in Echtzeit. Bäh!

„Lass‘ dir mal helfen!“

„Geh‘ mal zum Arzt!“

„Beiß‘ doch mal die Zähne zusammen!“

„Iss‘ doch mal vernünftig!“

All diese Aufforderungen hängen mir derartig zum Hals heraus, ich könnte ein ganzes Buch draus schreiben. Dass diese „lieb gemeinten Ratschläge“ genau das Gegenteil bewirken, scheint niemand zu ahnen.

„Sie wollen mich alle zerren, wollen mich reißen, wollen mich ziehen, doch ich bleibe sitzen, hier am Ende von Berlin.“ – wie ich dieses Lied im Moment vergöttere!

Sie machen mir nur noch deutlicher, wie unfähig ich anscheinend bin, mir helfen zu lassen, meiner Gesundheit nachzugehen, durchzuhalten und ausreichend zu essen. Da ich Dinge aber gerne von Anfang an „richtig“ und „perfekt“ mache, brauche ich spätestens an diesem Punkt gar nicht mehr weiter zu machen. Ist ja eh schon Hopfen und Malz verloren. Wozu noch die Mühe? Und schon stellt sich doch wohl bekannte Gleichgültigkeit ein. Alles scheint sinnlos, grau und falsch.

Der Nachteil am Student sein, und jetzt werden alle denken: „Was schreibt die Olle da?!? Student sein fetzt doch!“, sind die Freiheiten. Es interessiert niemanden, ob du in der Vorlesung für Wirtschaftsmathematik sitzt oder tot vom Balkon baumelst. Ginge es nach meiner Vernunft, bräuchte ich 24h Kontrolle und vor allem: einen geregelten Tagesablauf.

Da ich zeitweise nicht einmal weiß, wie man das Wort „Tagesablauf“ buchstabiert, kommt es nicht selten vor, dass das Frühstück auf 17 Uhr Nachmittags  verschoben wird und halb drei nachts Hausaufgaben gemacht werden. Dass dieses System nur auf kurzer Distanz funktioniert, muss ich hier wahrscheinlich nicht näher erläutern. Und doch nehme ich das lächelnd in Kauf. – „Wird schon irgendwie gehen.“

Und doch wäre es so einfach. Einfach das Telefon in die Hand nehmen und die 2-3 Leute anrufen, die einen zu Tages- und Nachtzeit mehr oder weniger gerne ermutigen. Doch das ist mir zu viel. Reagieren in Echtzeit. Bäh!

Also tippe ich fleißig eine ellenlange Nachricht an die bessere Hälfte. Kaum nochmal durchgelesen wird schnell alles gelöscht, das Handy in die Ecke gefeuert und die Decke über den Kopf gezogen. War was? Neeee. Und wer das Gegenteil behauptet, der lügt.

So bleibe ich stumm und hoffe, dass zwei Tage schneller herum gehen, als sonst, aber warum sollten sie? Gerade Tage vor Dingen, auf die man sich freut, sind die größten Sadisten von Allen.

Also schnell die Knöppe zu und hoffen, dass Donnerstag und Freitag Mitleid mit mir haben.

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5 Gedanken zu „Reagieren in Echtzeit. Bäh!

  1. Liebe Emma !
    Auch ich möchte wieder meinen Kommentar zu Deinem Text geben !
    Kann ja eh mit meinen Gedanken an mir halten 🙂 !

    Menschen zu formen , zu bevormunden und passend zu gestalten ist leider ,
    in unserer Schubkastengesellschaft ein oft realistisches Handeln .
    WAS NICHT PASST , WIRD PASSEND GEMACHT !
    Du mußt , du sollst , jetzt mach das , das mußt du so machen ,
    dumme Phrasen die nur das Gegenteil bewirken vom Wunschdenken der Anderen ,

    Warum bauen Sie nicht auf die Vernunft im Menschen auf , haben Sie den Glauben daran verloren ?

    Besser als ein muß , ist ein du solltest oder du wolltest
    oder noch wir sollten oder wir wollten .

    Gemeinsam ist doch alles möglich !

    Diese Worte sollen alle DIE zum denken anregen , welche sich zu FORMGEBER des Menschen berufen fühlen !!

    LG Andy

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar. Ich sitze gerade zufällig in der Uni und musste herrlich über die Formulierung „aus der von der Studienordnung gebeutelten Seele“ schmunzeln. 🙂
      Deinen Post, den du mir hinterlassen hast, werde ich mir heute Abend zu Gemüte führen.
      Bis dahin: Liebste Grüße 🙂

      Gefällt 1 Person

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